
Jeanette Wenzel (Mitte) ist die Cheforganisatorin.
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Lohmar - Zum Zehnjährigen sollte es schon etwas
Besonderes sein. Kein Musical nach bekannter Vorlage wie das
„Dschungelbuch“, das der evangelische Kinder- und Jugendchor
Wahlscheid seit 1995 am ersten Advent aufführt. Nein, etwas
Eigenes musste es sein. Die Lösung lieferte Jeanette Wenzels
Sohn Lajos, der das Musical „Die Zauberbrücke“ entwarf.
Diese Zauberbrücke verbindet das Traumland mit der
Wirklichkeit, und Hauptdarstellerin Luna hat eine Nacht
Zeit, das Traumland vor der Invasion der bösen Alben zu
schützen.
Der 26-jährige Schauspieler - nach einer Fotografenlehre
absolvierte Lajos ein Schauspielstudium in Berlin und tourt
nun mit Tourneetheatern durch die Republik - schrieb sowohl
den Text als auch die Partituren fürs Kindermusical.
100 Mitwirkende
Mit freundlicher Unterstützung seiner Mutter, die von
Hause aus Musiklehrerin ist. Das war sie zumindest bis zu
ihrem 26. Lebensjahr in Berlin. Weil ihr Mann dort 1980
keine Anstellung als Mathematiker fand, zog die junge
Familie mit ihren zwei Kindern in den Kölner Raum um. Wenn
schon aus Berlin raus, dann richtig aufs Land, meinten die
Wenzels - und fanden ihr Fleckchen Provinz in Wahlscheid. Wo
die Familie nicht nur um weitere drei Kinder wuchs (das
Nesthäkchen ist heute 17, seine Geschwister sind 22, 24, 26
und 28 Jahre alt), sondern Mutter Jeanette auch zu ihrer
Lebensaufgabe fand: Sie wurde Jugendleiterin in der
Gemeinde.
Wöchentlich betreut sie 300 Kinder und Jugendliche,
präsentiert ihnen keine vorgestanzten Programme, bringt sie
vielmehr dazu, selbst Programm zu sein. Wobei die
Heilpädagogin - diese Ausbildung absolvierte die
Schulmusikerin als Zweitstudium - selbstverständlich
integrativ arbeitet: Ob nun behinderte Kinder oder die
Verhaltensauffälligen unter ihnen, Jeanette Wenzel nimmt sie
alle mit.
Natürlich auch in solchen Mammutprojekten wie dem
Kindermusical mit über 100 Mitwirkenden. Da ist das
spastisch gelähmte Mädel im Rollstuhl mit dabei, für die
eigens szenische Nischen in der Handlung geschaffen werden.
Inklusive der Betreuung, damit die Darstellerin nicht
plötzlich allein auf der Bühne sitzt, sondern von
Mitspielern mitgenommen wird. Die Verhaltensauffälligen, in
ihren Klassen der Albtraum für viele Lehrer, geben sich bei
der Jugendleiterin lammfromm. Wahrscheinlich liegt es daran,
dass die kleine Frau nicht nur Freundlichkeit ausstrahlt,
sondern ebenfalls eine gewisse Entschlossenheit, sich nicht
auf der Nase rumtanzen zu lassen. Wie diese beiden
Wesensstränge unter einen Hut zu bringen sind, trainierte
sie ausgiebig bei ihren fünf Kindern.
Die übrigens alle fünf eine klassische Musikausbildung
genossen haben und Instrumente spielen. Die obligatorischen
halbstündigen Proben der Blasmusiker nach dem Abendbrot
seien schon eine Prüfung für lärmempfindliche Naturen
gewesen, erzählt die Mama, weniger dagegen Geige und
Klavier.