
Regisseur und Profischauspieler Lajos Wenzel kümmert sich intensiv
auch um den ganz jungen Nachwuchs - sein Credo: die Kinder in ihrem
Spiel unbedingt ernst nehmen.

Pannen, Improvisationen und kleinere Konfusionen gaben der
Generalprobe zur „Zauberflöte“ die kreativ chaotische Note. Am Ende
aber dominierten Spielwitz und Spaß.
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Mehr als 100 Beteiligte führen das Werk am Sonntag und Montag in der
Evangelischen Kirche auf.
Lohmar - Mozarts „Zauberflöte“ als Musical? Wer macht denn so
was? Der „kikichor“, wie sich der Evangelische Kinder und
Jugendkirchenchor Wahlscheid selbst in seiner Internetadresse nennt.
Traditionell zaubert dieses rund siebzigköpfige Ensemble - mit Orchester,
Chor, Bühnenbildnern und Technikern sind es insgesamt mehr als 100
Beteiligte - traditionell im Dezember ein Adventsmusical auf die Bühne.
Die wiederum - eine weitere Besonderheit - befindet sich in der
Bartholomäuskirche.
Die Gesamtleitung dieses wagemutigen Unternehmens hat Jeanette Wenzel,
Regie führt ihr 27-jähriger Sohn Lajos, selbst Schauspieler. Derzeit steht
er als böser Zauberer im „Kalif Storch“ auf der Badischen Landesbühne in
Karlsruhe. „Das ist kein Kinderquatsch!“, stellt er gleich heraus,
„sondern ambitioniertes Theater für junge Zuschauer“. So verfährt er denn
auch bei den Heimaufführungen, die er seit elf Jahren betreut: „Das Stück
muss zu den Kindern passen, die Rolle stets zum Darsteller.“
Bei der Generalprobe in der Wahlscheider Max-Weber-Halle haben derweil
immer wieder Pannen Spontanauftritte. Da kämpfen die Tontechniker im
Wechsel mit dem Orchester um ihre Einsätze, die Darsteller liegen im
Dauerclinch mit dem Kabelsalat ihrer Mikrofone - die choreigenen Mikros
befanden sich auf „Konzertreise“ in Dresden -, Konfusion bestimmt die
Choreografie der einen oder anderen Massenszene. Zart besaitete Regisseure
bringt solch kreatives Chaos an den Rand des Zusammenbruchs, Lajos Wenzel
wirkt hier und da allenfalls leicht genervt, motiviert ansonsten seine
Darsteller mit gezieltem Lob.
Was meist auch verdient ist. Denn was die Vier- bis Siebzehnjährigen
leisten, was sie schließlich an Zauberflöte aufs Parkett der Turnhalle
bringen, ist erstaunlich. Mozart hätte seinen Spaß dran. Wenn etwa Pamina
(Julia Halberstadt) auf ihrem Lager von der Liebe träumt und die
Tänzerinnen aus ihrem Versteck hinterm Sockel immer melodiös „Ooohhhh!“
stöhnen, wenn allein dieses Wort fällt. Oder wenn die Dienerinnen der
Königin der Nacht (Sophie Neff) Papageno (Kim Becker) den Mund mit einem
überdimensionalen Schloss verschließen, wenn die drei „Jungen“ aus der
Vorlage zu rappenden „Boys“ mutieren.
Da blitzt in Idee und Ausführung Spielwitz auf, wird der Spaß der
Beteiligten an ihrem Mammutwerk spürbar. Der Optimismus von Regisseur
Wenzel wirkt nicht aufgesetzt, wenn er von einer unvergleichlich
peppigeren Premiere am kommenden Sonntag in der benachbarten Kirche
schwärmt. Da werden die Hauptdarsteller über ihre Headsets singen, da
werden Scheinwerfer die Szenen ins rechte Licht tauchen, da wird die
Tontechnik ihre Einsätze perfekt treffen, da wird die „Band“ des
Musicalchores zauberflöten, dass nur so die Funken sprühen. Wahrscheinlich
ist es - wie immer - tatsächlich so.
Schade für die, die keine Eintrittskarte haben. Denn es gibt nur noch
ein paar für die Zusatzvorstellung am Montagmorgen. Zu haben sind diese
bei Claudia Wieja-Dossow, 02206 / 8 51 81.